Schrecken der Nacht

Letzte Nacht war die Hölle! „Eigentlich“ schläft der kleine Mann ganz gut, meistens jedenfalls. Oft schläft er sogar durch. Aber diese Nacht…

Schon das Einschlafen dauert lange. Länger als gewöhnlich.

Einige Stunden nach dem Kind gingen der Mann und ich ins Bett. Im Kinderschlafzimmer war bisher alles ruhig. So weit, so normal.

Kurze Zeit später aber – ich dämmerte gerade so weg – Krawall aus dem Kinderbett!

Ich ging zu Emil, der im Bett stand, schrie, weinte, schluchzte und wimmerte. So herzzerreißend wie sonst nie in der Nacht. Ich dachte sofort, dass er ganz fiese Schmerzen hätte, ihm müsse etwas fürchterlich weh tun.

Um ihn zu beruhigen, sprach ich ruhig mit ihm und wollte ihn streicheln – das schien es aber noch schlimmer zu machen, denn Emil schlug meine Hand weg und schrie weiter.

Ich wollte ihn hoch nehmen, doch er bog sich durch, schlug um sich, schob mich weg. Kaum konnte ich ihn halten. Hatte Angst, dass er herunter fallen würde, also nahm ich ihn mit in unser Bett und setzte ihn dort ab.

Währenddessen kein einziges Wort von Emil, kein Schmatzen, um Essen oder Trinken zu fordern, seine Trinkflasche warf er von sich, kein Nicken, kein Kopfschütteln. Einfach keinerlei Reaktion auf uns.

Der Mann und ich waren ratlos und eine ungefähre Angst übermannte mich. Anfangs dachte ich noch an einen Alptraum, aber der könne unmöglich so lange und heftige Reaktionen hervorrufen.

Wir machten das Licht an, sprachen Emil lauter an, versuchten ihn zu halten, zu streicheln, ihn in Ruhe zu lassen. Nichts half.

Ich heulte schon, war verzweifelt. Es war furchtbar! Am schlimmsten fand ich, dass Emil keine Silbe oder sonst einen Laut – außer dem Weinen und Schreien – von sich gab. Ich dachte an die schlimmsten Dinge und überlegte tatsächlich, ob Kleinkinder eine Art Schlaganfall oder sonstige Anfälle bekommen könnten oder ob Emil vielleicht knapp dem plötzlichen Kindstot entgangen ist und im Schlaf zu lange keine Luft bekommen hätte.

Wir waren kurz davor, den Notarzt zu rufen.

Dann…urplötzlich…beruhigte Emil sich, legte sich hin, schaute sich ruhig im Zimmer um, wirkte zufrieden. Zur Probe, ob wirklich alles wieder in Ordnung und „normal“ ist, fragte ich ihn, ob er Käse essen möchte (das zieht nämlich immer!). Emil lacht, „Käsakäsakäsaaaa!“. Alles ok…

Erleichtert, aber ratlos, sehen der Mann und ich Emil beim Essen und anschließend beim Einschlafen zu – diese Nacht in unserem Bett…

Was, um Himmels willen, war das??? Noch in der gleichen Nacht befragte ich Dr. Google – und ausnahmsweise war das diesmal eine gute Idee, denn ich wurde schnell fündig:

Ein Nachtschreck!

Der Name trifft es sehr gut, finde ich ja… Das Phänomenen hat aber tatsächlich auch einen richtig wissenschaftlichen lateinischen Namen – Pavor nocturnus – und „funktioniert“ wohl ähnlich wie das Schlafwandeln, will heißen, das Kind ist in einem Zustand zwischen Schlaf und Wachsein. Es reagiert deshalb nicht auf seine Eltern oder andere Personen – und kann sich am nächsten Morgen nicht an den nächtlichen Zwischenfall erinnern. Oft schläft das Kind nach der Episode einfach wieder ein – was Emil vermutlich nicht tat, weil wir alles daran gesetzt hatten, ihn aufzuwecken. Eigentlich haben wir wohl so ziemlich alles „falsch“ gemacht, was man bei einem Nachtschreck nur falsch machen kann…  Man sollte das Kind in diesem Zustand nämlich nicht aufwecken! Beruhigungsversuche schlagen fehl und verschlimmern die Situation eher, denn das „schlafwandelnde“ (oder eher „schlafschreckende“?!) Kind fühlt sich vermutlich bedroht.

Das ist – so fand ich – eigentlich das Allerschlimmste für die Eltern: Das eigene Kind nicht beruhigen zu können, sondern zurück gewiesen zu werden und das Gefühl zu haben, dass das Kind panische Angst hat (trotz – oder gerade wegen? – unseres Beiseins)… Alles, was man tun kann, ist, da zu sein, eventuell leise mit dem Kind zu sprechen (wenn es das nicht zusätzlich verstört) und mögliche Gefahrenquellen zu „sichern“ (beispielsweise harte Bettkanten).

Ach…so ein Schreck!

Oh, und natürlich ganz wichtig zu wissen: Ein Nachtschreck ist völlig harmlos (auch, wenn man das in der Situation nicht glauben mag!) und daher eigentlich in erster Linie für die Eltern ein riesiger Schreck (denn das Kind bekommt die ganze Sache ja gar nicht richtig bewusst mit und erinnert sich später an nichts…)!!!

Was mich nun sehr interessieren würde: Hast Du schon einmal einen Nachtschreck erlebt? Wie war das???

Ich habe dies alles auch deshalb so ausführlich berichtet, weil mich dieser nächtliche Schreck eiskalt erwischt hat und wir beide, der Mann und ich, wirklich, wirklich ratlos und ängstlich waren. Wenn man zumindest schon einmal davon gehört hat und das Geschehen richtig einordnen kann, ist man bestimmt um einiges „cooler“ als wir…

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11 Gedanken zu “Schrecken der Nacht

  1. Gut, dass du darüber schreibst !!! Ich wünschte mir, ich hätte auch schonmal irgendwo vorher vom Nachtschreck gelesen, bevor er uns nachts erwischt hat… Ich hatte richtig Angst und fühlte mich ziemlich hilflos, weil ich unserem Sohn einfach nicht ,,helfen“ konnte. Auch erst als ich danach gegoogelt habe, habe ich mich einigermaßen beruhigt gefühlt… So ist es immer noch ein ziemlich übles Gefühl sein eigenes Kind so zu sehen, aber wenigstens weiß man, dass es nicht gefährlich ist.

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    • Das ist echt eine furchtbare Situation, so hilflos, ängstlich und vor allem ratlos neben dem Kind zu stehen, nicht wahr!? Mich schüttelt es jetzt noch, wenn ich an diese Nacht denke – bisher hat sich das Ganze Gott sei Dank nicht mehr wiederholt!

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  2. Als ich deinen Text anfing zu lesen, ist mir sofort der Nachtschreck in den Sinn gekommen. Wir haben das auch auch schon durch gemacht, ebenso Freunde von uns. Es ist wirklich eine komische Situation abzuwarten bis er aufhört zu schreien. Der Nachtschreck kann vorkommen wenn die kleinen eine belastende Situation am Tag durchgemacht haben und diese im Schlaf noch einmal durchleben.

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    • Scheint also tatsächlich häufiger vorzukommen… Wie alt ist oder war denn Dein Kind als Ihr so eine „schreck-„liche Nacht hattet? Und kam das danach häufiger vor??
      Eine belastende Situation gab es an dem Tag bei uns eigentlich nicht – wer weiß…

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      • Unser Sohn war ca. 2 Jahre und es kam bis jetzt einmal vor. Aber bei Freunden gab es das öfter mal. Meist nach größeren Ereignissen in der Kita.

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  3. Hallo!
    Gerade ist er wieder eingeschlafen und ich ich mal wieder auf der Suche nach Antworten oder Tipps und Hilfen.
    Uner Sohn (4) hat den Nachtschreck nun seit ca. 2 Jahren. Imm ermal phasenweise und wenn, dann immer sehr laut und intensiv. Manchmal bis zu einer halben Stunde.
    Obwohl alle „Symptome“ passen, habe ich jedesmal Angst, dass es doch was anderes ist und wir etwas übersehen. Besonders nach aufregenden Tagen (egal ob positiv oder negativ) ereilt ihn der Nachtschreck. Wir haben noch ein kleines Kind (1) und hoffen dann immer, dass er nich twach wird…
    Wir haben homöopathisch behandelt und sind damit ganz gut gefahren, obwohl ich manchmal den Verdacht habe, dass er dann tagsüber schneller heftige Wutanfälle bekommt. Jetzt haben wir vor einigen Tagen eine Rutsche Homöopathie durch und es geht heute wieder los.
    Ich wünschte, ich würde so etwas wie eine Selbsthilfegruppe finden. Einfach, um hin und wieder zu hören, dass auch andere Familien damit umgehen… aber in unserem Freundes- und Verwandtenkreis scheinen wir die einzigen Nachtschrecke zu sein 😦
    LG, Nicole

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    • Es ist zwar schon eine Weile her, aber: Lass Dich umarmen, liebe Nicole! Seit 2 Jahren schon… Furchtbar! Wir hatten es inzwischen auch schon mehrere Male und ich weiß genau, was Du meinst, dass Du Angst hast, es könnte irgend etwas „Ernstes“ sein! Es geht mir ganz genauso…

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  4. Damit bist Du nicht alleine, ich löse die Situation mit „da sein“. Mehr kannst Du nicht tun. Dein Kind weiß am nächsten Tag nichts mehr davon, aber Du quälst Dich mit den Gedanken an die letzte Nacht durch den Tag…. Darum schiebe ich die Gedanken bestmöglich zur Seite und versuche einen schönen Tag zu haben.

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