Rezept gegen das schlechte (Mama-)Gewissen

Gibt es das? Wer eins kennt, bitte her damit!

Denn „eigentlich“ läuft alles gut: Die Arbeit macht mir Spaß, der kleine Mann fühlt sich in der Kita nach wie vor wohl und so hole ich jeden Nachmittag ein quietschvergnügtes Kind ab, um mit ihm den Nachmittag entspannt auf dem Spielplatz zu verbringen und anschließend mit ihm zu abendbroten und ihn ins Bett zu bringen. Danach ist ja dann immer noch Zeit für die noch-nicht-ganz-fertige-und-liegen-gebliebene Arbeit.

Das „aber“? Hier, bitteschön, ein ganz riesen-dickes-fettes, wie ich finde…: Ich habe ein permanent schlechtes Gewissen!

Beende ich nachmittags die halbfertige Arbeit, habe ich ein schlechtes Gewissen, einen Teil davon liegen zu lassen.

Komme ich abgehetzt in der Kita an, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich das Kind mal wieder so spät abhole.

Sitze ich auf dem Spielplatz, macht mir die Aussicht auf die abendliche Arbeit schlechte Laune.

Geht das Essen abends nicht schnell genug, werde ich ungeduldig, weil die Arbeit noch wartet.

Bringe ich den kleinen Mann ins Bett, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich in Gedanken schon bei der Arbeit bin.

Habe ich am späten Abend die Arbeit endlich beendet, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich während der Zeit mit Emil zu oft gedanklich abwesend war.

Liege ich nachts schlaflos im Bett, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich ein schlechtes Gewissen habe.

Ein schlechtes Gewissen, weil ich weder eine perfekte Mutter sein kann, noch meine Arbeit perfekt erledigen kann. Es gibt eh kein „perfekt“ und „gut“ würde in beiden Bereichen „reichen“? Ich weiß nicht…

Klar, wäre es besser und gesünder und schöner und stressfreier, meine (vermutlich zu) hohen Ansprüche herunter zu schrauben. Aber, wie, bitte, geht das???

Vereinbarkeit von Beruf und Kindern? Geht das? Für mich lautet die Antwort: Ja, aber… Denn der Preis dafür ist mein permanentes schlechtes Gewissen.

Woher dieses üble Etwas überhaupt kommt, frage ich mich allerdings auch manchmal etwas trotzig, denn eigentlich könnte es doch so schön und einfach sein: Die Arbeit macht Spaß, der kleine Mann ist gut betreut – also eigentlich alles gut. Oder? Warum kann ich es nur nicht einfach so lassen und genießen, wie es ist und wie gut es uns doch geht? Der gesellschaftliche Druck, Ansprüche und Anforderungen von „außen“, von anderen (à la „Ein so kleines Kind gehört doch zur Mutter!“, „So eine lange Fremdbetreuung ist nicht gut!“, „Man kann eben nicht alles haben!“)? Ich weiß auch nicht…

Geht es Dir ähnlich? Oder hast Du tatsächlich ein Rezept gegen das schlechte Gewissen??? Dann bitte sofort her damit!!!!

Bei grosseköpfe (und #scoyo) läuft aktuell eine Blogparade zu eben diesem Thema: #worklifefamily. Sehr interessant – ich bin sehr gespannt auf andere Gedanken zum Thema #Vereinbarkeit!

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4 Gedanken zu “Rezept gegen das schlechte (Mama-)Gewissen

  1. Wie du ja selbst feststellst, EIGENTLICH müsstest du kein schlechtes Gewissen haben, aber dieses einfach abzustellen, ist natürlich nicht so einfach. Es sind ja nicht einfach nur überzogene Erwartungen, die du an dich selbst stellst, sondern es sind über Jahrzehnte gesellschaftlich produzierte in in jedes Gesellschaftsmitglied eingeimpfte Erwartungen an gute Mutterschaft und an gute Arbeitnehmerschaft. Die Lebenswirklichkeit ist längst eine andere, aber die Erwartungen stecken in den meisten von uns tief drin und von heute auf morgen lässt sich das nicht abstellen. Aber vielleicht hilft es Stück für Stück, immer wieder zu reflektieren, dass die Erwartungen an Perfektionismus und die Lebenswirklichkeit eben nicht deckungsgleich sind und dass die Erwartungen falsch sind und die Lebenswirklichkeit immer anders ist bei jedem einzelnen, weil unsere Bedürfnisse sich auch unterscheiden.

    LG Jessi

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  2. Sehr treffend geschrieben .Leider habe ich auch kein Patentrezept. Ich habe mir vorgenommen ,die Zeit mit meiner Tochter ganz bewusst zu verbringen. Meine Fährt von der Arbeit zum Kiga ist eine Art Ritual, bei dem ich nochmal alles arbeitstechnische durchdenke. Wenn die Autotür zufällt, bleibt die Arbeit da drin. Das geht aber auch nur, weil ich nicht noch von zu Hause aus arbeiten muss.

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