Und, wie machst Du das, Anna? – Ein Interview mit mir…

Die wunderbare Okka Rohd* fragt andere Mütter regelmäßig „Und, wie machst Du das?“ – und ich freue mich sehr, ihren Mütterfragebogen beantworten zu dürfen.

Also, los geht’s!

Name: Anna

Alter: ü30…

Mutter von: Emil (1,5 Jahre)

Wie ist bei dir die Kinderbetreuung organisiert? Bist du zufrieden damit?

Emil geht in die Kita. Meistens bringt ihn sein Papa morgens gegen 8 Uhr dorthin und ich hole ihn am Nachmittag ab. Das variiert jeden Tag etwas. Ich schaffe es frühestens um 14 Uhr (was sehr selten vorkommt), meistens komme ich gegen 15 Uhr, aber an manchen Tagen auch mal erst 16:30 Uhr.

Da Emil sich dort sehr wohl fühlt und die Kita in unserer Nähe ist, sind wir sehr zufrieden mit unserer Betreuungssituation. Nur das schlechte Gewissen nagt immer mal wieder an mir – was ich jedoch versuche, zu überhören, denn sowohl dem kleinen Mann als auch mir selber tut die Kita-Betreuung gut. Ich habe manchmal eher das Gefühl, nicht an meinen, sondern an gesellschaftlichen Ansprüchen zu scheitern (z.B., dass Mütter ihrem Kind zuliebe die ersten drei Jahre zu Hause bleiben sollten oder es höchstens halbtags „fremd“betreuen zu lassen).

Unter welchen Bedingungen arbeitest du? Wie funktioniert das für dich?


Da Emil meistens von meinem Mann zur Kita gebracht wird, kann ich morgens zeitig mit arbeiten beginnen. Die Nachmittage verbringe ich dann gemeinsam mit dem kleinen Mann und abends – wenn der Papa übernimmt oder Emil schläft – arbeite ich noch einige Zeit (ebenso wie einige Stunden am Wochenende). Das funktioniert so ganz gut, und ich finde es schön, die Nachmittage mit meinem Kind verbringen zu können, aber oft verfluche ich die Arbeit abends, denn dadurch bleibt sehr wenig Zeit für meinen Mann und mich als Paar. Und richtige Familienzeit gibt es – abgesehen vom Abendessen, welches wir (fast) immer gemeinsam einnehmen – nur an den Wochenenden oder im Urlaub.

Wie sieht ein ganz normaler Wochentag bei dir aus?


Der Wecker klingelt jeden Tag viel zu früh. Nach dem dritten Mal Drücken der Snooze-Taste stehe ich auf. Im Bad fertig machen, ein paar Löffel Müsli essen, Kaffee (to go) kochen und los geht es Richtung Arbeit.
Nachmittags hole ich den kleinen Mann aus der Kita ab. Wir machen uns einen schönen Nachmittag und sind dabei selten allein und meistens bis abends draußen unterwegs – bis wir zum Abendessen nach Hause gehen. Wenn es zeitlich hinhaut, essen wir zu dritt und teilen uns danach auf: einer „darf“ die Küche aufräumen, einer macht Emil bettfertig, was eine recht undankbare Aufgabe sein kann. Ist danach noch etwas Zeit, verbringen wir diese zu dritt im Kinderzimmer. Manchmal setze ich mich aber auch schon an den Schreibtisch, um einige Terminsachen abzuarbeiten. Dann geht der kleine Mann ins Bett, ich arbeite noch eine Zeitlang und wenn wir Glück haben, bleibt anschließend trotzdem noch etwas Paarzeit, bevor auch wir ins Bett fallen.

Wieviel Zeit hast du für dich – jenseits deiner beruflichen und familiären Aufgaben? Reicht sie dir?

Das ist sehr unterschiedlich, je nach aktueller Arbeitsbelastung. Dass ich den größeren Teil der Kinderbetreuung übernehme, ist in Ordnung für uns alle, dafür schmeißt mein Mann den größten Teil des Haushalts.

In manchen stressigen Phasen bin ich allerdings sehr unzufrieden mit der Zeit, die ich für mich habe und dem Spagat zwischen Beruf, Kind, Partnerschaft und Freizeit. Diese Phasen sind aber glücklicherweise zeitlich begrenzt und in ruhigeren Phasen bin ich zufrieden mit meiner so genannten „Work-Life-Balance“… 😉

Hast du dir das Muttersein so vorgestellt, wie es ist? Was hast du dir anders vorgestellt?

Nee…

Gerade das erste Jahr hatte ich mir viel weniger anstrengend vorgestellt! Dass ich wenig Schlaf bekommen würde, war mir natürlich klar, aber dass Schlafmangel solch einen ungeduldigen und schlecht gelaunten Zombie aus mir machen würde, nicht…

Ich glaube, niemand kann sich vorher wirklich vorstellen, wie das Leben mit Kind wird – und vielleicht ist das manchmal auch ganz gut so.

Was ich mir aber auch nicht vorstellen konnte, ist, wie schön und überwältigend diese ganzen kitschigen Dinge tatsächlich sind, die man als Klischee so im Kopf hat: diese riesig-große (Mutter-)Liebe, die vielen kleinen Glücksmomente wie das glucksendes Kinderlachen, das Trösten des Kindes, gemeinsames Schmusen, klebrige kleine Kinderhändchen,…

Was empfindest du als besonders anstrengend?

Den Schlafmangel – vor allem im ersten Lebensjahr! Aktuell: Das „NEEEIIIIIN“ als Antwort des kleinen Mannes auf quasi alle Fragen.


Was macht dich besonders glücklich?


Die unzähligen kleinen Momente des Alltags: Emils verstrubbelte Haare und sein verschlafener Blick beim Aufwachen, das immer schneller werdende Rennen, wenn er sich  in meine ausgebreiteten Arme stürzt, sein konzentrierter Gesichtsausdruck beim Öffnen eines schwierigen Verschlusses, das verschmitzte Grinsen, wenn er dabei ist, sich einen neuen Streich auszudenken,…

Das hört sich alles vielleicht ganz schön kitschig an, aber tatsächlich sind es nur sekunden-lange Augenblicke, die oft unbeachtet verstreichen. Ich finde es schön, mir diese Momente bewusst zu machen und aufzubewahren – denn eigentlich sind es doch genau diese vielen kurzen Augenblicke, die sich zu dem ganz großen Glück zusammen fügen lassen. Genau deshalb widme ich diesen Glücksmomenten auch eine eigene Rubrik in meinem Blog.

Welches Verhältnis hast du zum Vater deines Kindes? Wie hat das Kind dieses Verhältnis verändert?

Der Mann und ich haben uns bereits mit Anfang 20 kennen gelernt und sind inzwischen seit 10 Jahren verheiratet. Wir führen eine sehr gleichberechtigte Beziehung. Seit das Kind da ist, haben wir sehr viel weniger Zeit füreinander und natürlich verteilen sich auch viele Aufgaben neu – aber nicht weniger gleich berechtigt (auch wenn es für Außenstehende offensichtlich häufig nicht so auszusehen scheint).

Der kleine Mann hat uns in vielerlei Hinsicht noch mehr zusammen geschweißt. Andererseits gibt es nun aber auch ein größeres Konfliktpotential – beispielsweise bei Erziehungsfragen oder -ansichten, und getriggert durch die mangelnde Zeit füreinander.

Hast du das Gefühl, dass die Gesellschaft, die Politik, Menschen mit Kindern ausreichend unterstützt? Was müsste deiner Meinung nach besser werden?

Über die Frage habe ich lange nachgedacht. Ich finde, das wäre einen eigenen Blogbeitrag wert, weil es so ein weites Feld ist. Insgesamt bin ich persönlich zufrieden, aber wir haben in vielen Dingen auch einfach Glück.

Stichworte wären für mich vor allem: Kita und Kinderbetreuung (vor allem für Kinder unter drei Jahren) und „familienfreundliche“ Arbeitsbedingungen.

Gesellschaftlich fällt mir immer wieder auf, wie gering Kinder und die Erziehungsarbeit Wert geschätzt werden. Und auch, wie schwer wir Mütter/Eltern es uns oft gegenseitig machen. Statt uns zu unterstützen oder die „Mit-Mütter“ einfach „machen zu lassen“, wird diskutiert, gehetzt und Köpfe werden geschüttelt.

Was hast du durchs Muttersein über dich und die Welt gelernt, das du vorher nicht wusstest?

Wie nebensächlich und klein alles andere wird, wenn ein Kind geboren wird. Der kleine Mann hat meine Prioritäten und Gedanken – eigentlich mein ganzes Leben – gründlich auf den Kopf gestellt und durcheinander gerüttelt. Das finde ich sehr befreiend und „gesund“: Den Blick auf die Dinge, die wirklich wichtig sind. Es geht uns gut. Wir sind gesund, leben in einem sehr stabilen Land ohne Krieg, Katastrophen und große Nöte. Welch ein Glück!

Du hast 48 Stunden kinderfrei. Was tust du? 

Lange schlafen. Lesen. Im Lieblingscafé sitzen und andere Leute beobachten. Zeit mit dem Mann verbringen. Freunde treffen. Was, die 48 Stunden sind schon vorbei????

Ein Gegenstand Deiner Kinder, den du ewig aufbewahren wirst?

Ich wüsste keinen.

Ein Gegenstand, der Dich an Deine Kindheit erinnert?

Kein bestimmter. Eher besondere Orte wie der Garten meiner Großeltern oder der Spielplatz, auf dem ich häufig war.

Was würdest du einer Frau sagen, die sich fragt, ob sie Mutter werden soll?

Das kann ich so pauschal nicht beantworten. In den meisten Fällen wird es aber sicherlich in die Richtung gehen: „Einfach machen. Nicht zu lange zögern. Einen perfekten Zeitpunkt gibt es nicht – nie! Nicht zu sehr den Kopf zerbrechen – genug Gegenargumente gibt es immer.“


* Blog: „Slomo„, Buch: „Völlig fertig und irre glücklich.“ – beides sehr lesenswert! Selten hatte ich bei der Lektüre eines Buches so viele Dahinschmelz-, Kopfnick-, Kicher-, Kloß-im-Hals- und Laut-loslach-momente.

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